Ökologischer Fußabdruck: Ammoniak / Lachgas / Feinstaub / Platin … von wegen „sauberer Kat“ …

Prinzipielle Betrachtungen zum „ökologischen Fußabdruck“ (>>) – angesichts der gerade wieder laufenden „Diskussionen“:

Ammoniak / Ammonium

„Ammoniak und sein Umwandlungsprodukt Ammonium zählen heute zu den wichtigsten Luftschadstoffen, die Ökosysteme belasten. Versauerung und Nährstoffanreicherung in Böden und Gewässern sind Folgen, die kaum oder nur sehr langfristig wieder ausgeglichen werden können.“ (Bayerisches Landsamt für Umwelt)

Lachgas (N2O, Distickstoffoxid)

„N2O ist mit einer mittleren atmosphärischen Verweilzeit von 114 Jahren und einem relativ hohen molekularen Treibhauspotenzial von 298 (bezogen auf einen Betrachtungshorizont von 100 Jahren) ein klimarelevantes Treibhausgas. Sein Beitrag zum anthropogenen Treibhauseffekt beträgt heute etwa 6 %.

Distickstoffoxid hat mittlerweile die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) als bedeutendste Quelle ozonschädlicher Emissionen des 21. Jahrhunderts abgelöst. Dies wird zum einen auf die Zunahme der anthropogenen N2O-Produktion u. a. durch die vermehrte Herstellung von Biokraftstoff aus Biomasse und den Einsatz von Kunstdünger, vor allem aber auch auf die drastische Senkung der FCKW-Emissionen zurückgeführt.“ (Wikipedia)

Anmerkung:
Es geht folgend nicht um Klimawandel ja oder nein; nehmen wir vorstehendes also einfach mal so hin.

Obige Aussage zum Ammonium ist insbesondere in Bezug auf die Feinstaubdiskussion interessant. Der Anteil von Ammonium im Feinstaub beträgt rund 8 % – 12 %.
Nachstehend eine exemplarische Graphik aus einer Diplomarbeit von der Uni Münster mit Feinstaubauswertungen aus Münster (Westfalen). So oder so ähnlich scheint das überall zu sein.

Die beiweitem größte Ammoniakquelle ist wohl die Landwirtschaft (vgl.bspw. hier).

Trotzdem ist folgendes überaus interessant:

Nachstehende zwei Abbildungen stammen aus einer online Publikationen der Universität Stuttgart, Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg zum Thema
„Art und Menge von stofflichen Emissionen aus dem Verkehrsbereich : Literaturstudie“.
Die Studie stammt leider schon aus dem Jahr 2000; aktuelleres war einfach nicht zu finden – was ich sehr merkwürdig finde.
Für die prinzipiellen Betrachtungen an dieser Stelle reicht das aber aus.

Wer genau hinschaut, wird erkennen, dass erst durch den Einsatz des G-Kat signifikante Gehalte an Ammoniak und Lachgas (N2O, Distickstoffoxid) zusätzlich entstehen:

„Im Durchschnitt ergibt sich durch den 3-Wege-Katalysator eine Erhöhung der Distickstoffoxid-Emissionen um das 7,7-fache und eine Erhöhung der Ammoniak-Emissionen um das 50-fache (Tabelle 3-45, Abbildung 3-9).“

In den Schlussbetrachtungen wird folgerichtig empfohlen:


Als Felder mit dem größten Handlungsbedarf in Hinblick auf Luftqualität und Treibhauseffekt können identifiziert werden:

weitere Reduktion von organischen und anorganischen Emissionen insgesamt (die tatsächliche Reduktion der Abgasinhaltsstoffe durch den Katalysator ist weniger effektiv, als häufig angenommen wird: die Emissionen anorganischer Verbindungen werden nur um den Faktor 3 reduziert, die der organischen Verbindungen um den Faktor 7).

Vermeidung der Produktion von Carbonsäuren, Lachgas und Ammoniak durch den Katalysator.

besondere Emissionsreduktion bei Dieselfahrzeugen nötig (Katalysatoren, Partikelfilter).

Erforschung und Reduktion der Dioxinemissionen bei Dieselfahrzeugen, v. a. bei Diesel-Lkw

Alles Vorgenante gilt prinzipiell auch für Lachgas (N2O).

„Ähnliches gilt bei Kraftfahrzeugen mit geregeltem Drei-Wege-Katalysator, über deren Auswirkungen auf das globale N2O-Budget noch Unsicherheit besteht. Da der Anteil der Katalysatorfahrzeuge weltweit weiterhin ansteigen wird, kann in den nächsten Jahren beim Einsatz der heutigen Dreiwegekatalysatoren mit einem deutlichen Anstieg der Kfz-bedingten N2O-Emissionen gerechnet werden. Außerdem entsteht N2O, wenn Stickoxide mittels SCR-Katalysatoren zerlegt werden (AdBlue). (Wikipedia)“

Auch bei N2O ist der Anteil der durch Verkehr verursachten Emissionen relativ gering; bspw. in Sachsen gemäß Umweltlandesamt ungefähr 4 % – 5 %.

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Definition Teufel mit dem Beelzebub austreiben (>>):
„Durch den Versuch, eine ungünstige Situation zu beheben, eine neue ungünstige Situation hervorrufen.“

Anfangs (1970er / 1980er Jahre) wurde der Benzin-Stinker verteufelt,
der Diesel wurde als Saubermann „verkauft“ und politisch entsprechend gepusht.
Dann wurde der Sauber-Diesel (politisch) urplötzlich zum Diesel-Russ-Stinker verteufelt,
Euro-Abgasnormen mussten (politisch) her um den Diesel-Russ-Stinker wieder sauber zu bekommen; das Resulat: „Rußpartikel moderner Dieselmotoren giftiger | Ausstoß älterer Dieselmotoren weniger gesundheitsschädlich“
Aktuell
sind es die Stickstoffoxid-Diesel-Stinker, obwohl der erhöhte Ausstoß an Stickstoffoxid bei Dieselmotoren schon seit Ewigkeiten bekannt ist (siehe obige Abbildungen aus dem Jahr 2000 und z. B. hier: Schon der erste Diesel-Golf war eine Stickoxid-Schleuder / 1975″).
Warum also ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt diese Diskussionen? Was steckt dahinter?
ICH habe keine Ahnung!

Und dies alles vor folgendem Hintergrund (>>):

Ich kenne solche Kurvenverläufe von Grundwassersanierungen hinsichtlich LHKW durch Hochpumpen des Wassers und Abreinigen desselben mit Kohlefiltern.
Anfangs enorm hohe Frachtraten der LHKW, welche dann relativ zügig rapide abnehmen; bei gleicher oder sogar steigender Pumpleistung / Förderrate.
Ab einem gewissen Punkt, kann man soviel Wasser hochpumpen wie man will, man bekommte im Verhätnis zum Aufwand (Energieverbrauch, ggfs. enorme Grundwasserentnahmemengen, welche u. U. im Kanal landen, Wartungs- und sonstige Kosten usw.), einfach keine effektive Abreinigung mehr hin.

Die gesamten Stickstoffoxid-Emissionen des Verkehrs betragen nach obigen Voraussage-Berechnungen ggü. 1980 nur noch weniger als Einviertel.
Nach Umweltbundesamt sind sie von 1990 bis 2015 um mehr als Zweidrtittel gefallen.

Wie immer die Zahlen genau aussehen, sie sind jedenfalls mehr als signifikant auf einen Bruchteil der Anfangswerte gefallen. Will man auch noch die letzen Reste effektiv weiter verringern, bleibt in der Tat nur noch das vollständige Verbot – am Besten gleich des ganzen Verkehrs (einschließlich Schiffe und Flugzeuge natürlich) .
„Verbietet“ man nur den Diesel … ich erinnere an obigen Punkt 2:

„Empfehlung: Die Vermeidung der Produktion von … Lachgas und Ammoniak durch den Katalysator.

Werden Diesel-Fahrzeuge durch Fahrverbote sukzessive eliminiert, werden – neben anderen Problemen, die garantiert NEU entstehen werden (LKW als Benziner?) – sicherlich wesentlich mehr Kat bestückte Fahrzeuge genutzt werden.
In 10 Jahren haben wir dann die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird:
Lachgas (N2O)- und Ammonik-Emissionen des benzingeschwängerten Straßenverkehrs müssen unbedingt eliminiert werden. Und was kommt dann danach … und dann danach …?

Platin

„Untersuchungen zu Fremdstoffbelastungen im Straßenseitenraum“
der Bundesanstalt für Straßenwesen
Erstellungsjahr: 2005; Publikationsdatum: 29.09.2011

„Die angewendete Technik führt zu einem erhöhten Stoffumsatz der in den Abgaskonvertern als Katalysator eingesetzten Metalle der Platingruppe. Das Vorhaben, unerwünschte gasförmige Emissionen (Stickoxide, Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe) zu verringern bzw. zu vermeiden, führt somit unmittelbar zu einer neuen Quelle von für den Straßenseitenraum fremden Stoffen.

Die Platingruppenelemente (PGE) gehören zu den Schwermetallen, die infolge einer zellphysiologischen Unverträglichkeit mehr oder weniger toxisch sind. Bei regelmäßigem Umgang können allergische Reaktionen (Reizungen der Haut oder der Schleimhäute, Schnupfen, asthmatische Anfälle) auftreten. Außerdem wurden Anzeichen für kanzerogene Wirkungen von PGE gefunden. Einträge von PGE in die Umweltmedien werden deshalb zunehmend beobachtet und untersucht.

PGE-haltige Abgaskonverter reinigen nicht nur Motorabgase. Aus ihrem Einsatz resultiert neben PGE-Emissionen auch die indirekte Emission von Lachgas (N2O), Blausäure (HCN) und Schwefelwasserstoff (H2S). N2O trägt zur Verstärkung des Treibhauseffektes bei, HCN und H2S wirken auf Menschen toxisch.“

Ich denke, zu diesem Themenbereich werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag veröffentlichen.

Darüber hinaus: Was hier bessere Luft durch Katalysatoren bringt, bedeuten in anderen Teilen der Welt das Gegenteil:
Schmutziges Platin | Auto-Katalysatoren schonen die Umwelt, doch ihre Herstellung ist noch extrem belastend„. Der Bericht ist aus dem Jahr 1997, aktuell spielt das anscheinend keine Rolle mehr.
Bevor der Einwand kommt: Recyclingquote Platin 2014 / 2015 rd. 19 % – 25 %, mehr nicht. (>>)

Was will ich mit all dem sagen?

Verlogenheit, Scheinheiligkeit, politischer- und umweltaktivistischer Opportunismus bringt uns nicht weiter. Wir sollten endlich akzeptieren – und dies auch offen in der breiten Öffentlichkeit diskutieren -, dass es ohnehin kein zurück mehr gibt.
Unser menschengemachter ökologischer Fußabruck ist schon zu groß und zu tief, um ihn rückgängig zu machen – Fußabdrücke bleiben bestehen, auch wenn man zurück geht / rückwärts läuft.
Wir sind da und bleiben es vorläufig auch!
Wir werden daher gezwungenermaßen auch zukünftig die Erde ausbeuten.
Wir werden Ressourcen nutzen, bis keine mehr da sind.
Wir werden weiter die Umwelt verschmutzen.
Es werden weiter Menschen daran sterben – hier vielleicht weniger, weil alles „wie geleckt“ ist, in anderen Teilen der Welt dafür mehr, weil wir bspw. mehr Platin brauchen.

Die Eierlegendewollmilchsau gibt es nicht!!

Das heißt nicht, dass nichts getan werden kann und sollte.
Das Verbot von bspw. Asbest als Baustoff war zweifelsohne sinnvoll und hat tausende / hunderttausende Leben gerettet.
Die Einführung des Katalysators war trotz allem sicher nicht die dümmste Entscheidung (wirklich giftige Kohlenwasserstoffvebindungen wie bspw. PAK, BTEX werden deutlich reduziert, wobei die BTEX in Diesel-Kraftstoff so gut wie keine Rolle spielen) – zumindest für uns hier.
Aber bitte die Kirche im Dorf lassen und planvoll und mit Augenmaß vorgehen!
Warum zum Teufel wird ausgerechnet jetzt und, vor allem, warum in dieser Eile / Hektik, vorgeprecht?
Wegen der Schummelsoftware? Insgesamt betrachtet ist das m. E. im Grunde völlig unerheblich.
Womit ich bei dem oben erwähnten politischen- und umweltaktivistischen Opportunismus bin:

Profilieren und seine Daseinsberechtigung suchen / bestätigen, das ist dass, was ich bei den Akteuren momentan sehe.

Von mir aus aber sogar ein Diesel-Verbot / Diesel-Fahrverbot.
Aber dann mit Plan / Augenmaß.
Wirtschaft, die Menschen, die ausführenden Organe, alle brauchen Zeit um sich umzustellen.
Bestandsfahrzeuge haben Tabu zu sein.
Übergangsfristen von mehreren Jahren.
usw.