Das Ende des Informationsjournalismus
- Ausarbeitung der "Ständigen Publikumskonferenz" ... -

… am Beispiel „Storytelling in der ARD-Griechenlandberichterstattung 2015“, „Ständige Publikumskonferenzöffentlich-rechtlichen Medien e.V. Leipzig 2016“ (>>).

Kurze Vorbemerkungen

Inhaltsverzeichnis
(links zur Originalseite der „Ständigen Publikumskonferenz“)
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Das Ende des Informationsjournalismus – Storytelling in der ARD-Griechenlandberichterstattung 2015
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1 Das Trojanische Pferd
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2 Über griechische Helden, Märchen und Mythen
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3 Was Orwell nicht wusste
3.1 Warum Fakten und rationale Argumente für die politische Meinungsbildung nebensächlich sind
3.2 Wie man mit Wörtern das Gehirn der Wähler verändert
3.3 Wie man durch das Geschichtenerzählen Emotionen und politische Einstellungen steuert
3.4 Warum man Kindheitserinnerungen im Wähler aktivieren sollte
3.5 Weshalb moralische Empörung wirksamer ist als sachliche Auseinandersetzung
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4 Die Konstruktion wünschenswerter Welten
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5 The Hidden Persuaders – Techniken der verdeckten Argumentation
5.1 Verdeckte Argumentation durch die Erzählhaltung des Journalisten
5.2 Verdeckte Argumentation durch die Anwendung rhetorischer Strategien
5.2.1 Strohmann
5.2.2 Autoritätsargument
5.2.3 Bandwagon-Argument
5.2.4 Gefühlsappell
5.2.5 Innuendo
5.3 Verdeckte Argumentation durch interessengeleitetes Framing
5.4 Verdeckte Argumentation durch semantische, visuelle und auditive Frame-Trigger
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Bei mir hier nur „auf die Schnelle“, ohne viel eigenes Zutun, da ich etwas „zeitknapp“ bin.

Die gesamte Ausarbeitung ist ziemlich umfangreich. Aber wie das so ist im Leben, wirklich Lohnenswertes gibt es nicht umsonst. In diesem Fall kostet es Lesearbeit, der Lohn ist Aufklärung über manipulative, propagandistische Berichterstattungen usw.

Folgend lediglich ein paar wenige Ausschnitte / Zitate zum schmackhaft machen. Kurz garniert mit vergleichenden Passagen aus Hitlers „Mein Kampf“, zur Verdeutlichung meiner Ansicht, dass …

» … meiner Meinung nach das Buch in jeder Schule Pflichtlektüre werden sollte. Ich kann mir kaum ein besseres, abschreckendes (!!) Beispiel über Propaganda und die Beeinflussung der Massen – aka Bevölkerung – vorstellen. … Das Buch könnte hinsichtlich Propaganda daher erstklassig als abschreckendes bzw. sensibilisierendes Lehrmaterial dienen. Möglicherweise ist genau das aber gar nicht gewünscht? Die Masse muss schließlich auch heute noch propagandistisch „bearbeitet“ werden. «

… sowie einer eigener Erfahrung mit der ARD hinsichtlich „Fake News – plusminus über die Vitamin D Versorgung in Deutschland“.

Ausschnitte / Zitate

2006 endet die Expertentagung der Bertelsmann Stiftung zu strategischer Regierungskommunikation mit der Empfehlung, u. a. nach dem Vorbild der USA, Großbritanniens, aber auch Dänemarks unter Anders Fogh Rasmussen verstärkt auf sog. Spin-Doktoren zu setzen und damit einen professionellen Mitarbeiterstab aufzubauen, der geschult ist in „Kommunikationsstrategien“. Ausdrücklich hervorgehoben wird in diesem Zusammenhang „methodisches Know-How“ auf den Feldern „Storytelling“ und dem „sprachlichen Framing“.
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Dabei beruft man sich auf die Forschungsarbeiten des US-amerikanischen Linguisten George Lakoff über politische Kommunikationsstrategien zur Veränderung mentaler Konzepte der Bevölkerung. Statt im irrtümlichen Glauben an eine vernunftbasierte Rationalität des Wählers auf Faktenvermittlung zu setzen, müsse politische Kommunikation stärker die unbewussten, emotionserzeugenden Wahrnehmungs- und Beurteilungsmuster der Wähler fokussieren.

» (Hitlers „Mein Kampf“):
Die Aufgabe der Propaganda liegt nicht in einer wissenschaftlichen Ausbildung des einzelnen, sondern in einem Hinweisen der Masse auf bestimmte Tatsachen, Vorgänge, Notwendigkeiten usw., deren Bedeutung dadurch erst in den Gesichtskreis der Masse gerückt werden soll. … so muß ihr Wirken auch immer mehr auf das Gefühl gerichtet sein und nur sehr bedingt auf den sogenannten Verstand. «

Falsch, sagt der US-amerikanische Linguist und Politikberater George Lakoff in seinem Essay „What Orwell didn’t know about the brain, the mind and language“. Fakten und rationale Argumente allein ändern keine Einstellung. Der aus der Aufklärung stammende Glaube an den Menschen als vernunftbegabtes, rational denkendes und urteilendes Wesen sei ein Mythos, der von den Neuro- und Kognitionswissenschaften längst entlarvt worden sei: Denken laufe überwiegend unbewusst und emotionsbasiert ab, und zwar in Form von kognitiven Deutungsmustern (Frames), die wiederum meist durch Metaphern strukturiert würden.
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Metaphern sind laut Lakoff dabei nicht als bloße rhetorische Stilmittel im klassischen Sinn zu verstehen, sondern stellen Denkphänomene dar (Theorie der konzeptuellen Metapher). Wir verstehen neue Sachverhalte (Zielbereich) in Begrifflichkeiten eines vertrauten, konkreten Erfahrungsbereiches (Herkunftsbereich). Gerade abstrakte und komplexe Sachverhalte können wir laut Lakoff nur in Metaphern denken (metaphorisches Verstehen).

» (Hitlers „Mein Kampf“):
Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergeßlichkeit groß. Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig so lange zu verwerten, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag.
Das Volk ist in seiner überwiegenden Mehrheit so feminin veranlagt und eingestellt, daß weniger nüchterne Überlegung als vielmehr gefühlsmäßige Empfindung sein Denken und Handeln bestimmt. Diese Empfindung aber ist nicht kompliziert, sondern sehr einfach und geschlossen.
«

Deswegen gewinne in politischen Auseinandersetzungen nicht derjenige, der auf Faktenvermittlung und rationale Argumentation setzt, sondern derjenige, der die unbewussten kognitiven Deutungsmuster in den Köpfen der Wähler aktiviert. Mittel hierfür seien bestimmte Bilder und Wörter, die als Hinweise (cues) bzw. Trigger fungieren und permanent wiederholt werden.

» (Hitlers „Mein Kampf“):
Aber alle Genialität der Aufmachung der Propaganda wird zu keinem Erfolg führen, wenn nicht ein fundamentaler Grundsatz immer gleich scharf berücksichtigt wird. Sie hat sich auf wenig zu beschränken und dieses ewig zu wiederholen. «

 

Eigene Erfahrung mit der ARD hinsichtlich „Fake News – plusminus über die Vitamin D Versorgung in Deutschland“:

Zweitens: Innuendo durch die Berufung auf andere, auch anonyme Quellen:
Resultat: Weder die Quelle des Gerüchts noch sein Verbreiter müssen die Verantwortung für ihre Beschuldigungen und deren Wirkung übernehmen. Der Sprecher kann im Fall von Kritik darauf verweisen, dass er nur die Aussage Dritter wiedergibt (rhetorischer Fluchtweg).

» Antwort von plusminus auf meine 2. E-Mail-Anfrage vom 22.05.18:
Dort wird die Zahl 80 % genannt. Dazu das Zitat vom RKI und im Folgenden das Antwort-Zitat vom RKI. Nicht wir haben so argumentiert, sondern das RKI:

Diese Argumentationsfolge ist die des RKI. Sie haben recht, man hätte es auch in Ihrer Version machen können, das wäre dann aber nicht die Antwort des RKI auf unsere Frage zur Merck-Broschüre gewesen. «

 

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass das „Storytelling in der ARD-Griechenlandberichterstattung 2015“ meiner Auffassung nach ganz gewiss keinen Einzelfall darstellt, sondern vielmehr als beispielgebend für die tägliche Beeinflussung aus allen möglichen Quellen und Richtungen verstanden werden sollte.
Mit der durchaus beachtenswerten „Nuance“, dass die übergroße Mehrheit der beeinflussten Konsumenten offenbar nach wie vor die rosarote Brille zu einer der Beeinflussungsquellen, nämlich der, des Vertrauens in den öffentllich-rechtlichen Beeinflussungs-, äh natürlich „Informationsjournalismus“, aufsitzen hat.

Blöd ist nur, dass sich daran vermutlich niemals etwas ändern wird. Diejenigen, die Tagesschau & Co. das Vertrauen aussprechen (= die Masse), sind die letzten, die Beiträge wie gezeigtes Storytelling konsumieren (andernfalls könnten solche „Vertrauenswerte“ ja gar nicht erst zu Stande kommen). Und wenn sich doch mal jemand zu entsprechenden Artikeln verirrt, wird es nicht verstanden oder schlicht nicht für wahr bzw. möglich gehalten. Weiter verfolgt wird es schon gar nicht; das Thema wird im besten Falle zur Kenntnis genommen, dann jedoch hurtig abgehakt und mental zu den Akten gelegt! Um 20:15 Uhr wird die Tagesschau eingeschaltet.

» (Hitlers „Mein Kampf“):
Man ging dabei von dem sehr richtigen Grundsätze aus, daß in der Größe der Lüge immer ein gewisser Faktor des Geglaubtwerdens liegt, da die breite Masse eines Volkes im tiefsten Grunde ihres Herzens leichter verdorben als bewußt und absichtlich schlecht sein wird,
mithin bei der primitiven Einfalt ihres Gemütes einer großen Lüge leichter zum Opfer fällt als einer kleinen, da sie selber ja wohl manchmal im kleinen lügt, jedoch vor zu großen Lügen sich doch zu sehr schämen würde. «