Propagandasendung der ARD

- Kindersendung neun 1/2: Urheberrecht im Netz - Wer darf was im Internet? -

Lesedauer: ca. 20 Minuten

Die Propagandasendung der ARD
sowie gegensätzliche, „alternative“ Darstellungen

Am 06.04.2019 strahlte die Kindersendung neun ½ (ARD/WDR) einen Beitrag über das neu verabschiedete Urheberrecht aus:

„Gnadenlos“ werden unsere Kinder über die (potentiellen?) Gefahren des neuen Urheberrechts „aufgeklärt“.

M. E. wird wieder mal über ein bereits vor Erstellung der Sendung feststehendes Ergebnis (= „alles halb so schlimm“) der Deckmantel einer seriösen, kritischen Berichterstattung gelegt.

Wäre die Sendung eine wirklich objektive Darstellung der Thematik, hätten in irgendeiner Art und Weise die realistischen Möglichkeiten der „Upload-Filter-Zensur“ und damit einhergehender (potentieller?) Ausblendungen unliebsamer Meinungen angesprochen werden müssen. Wobei diese „Zensur“ nicht ausschließlich proaktiv erfolgen muss. Es reicht bereits aus, dass sich „alternative“ Inhaltsanbieter zunehmend zurückziehen (müssen). Übrig bleibt systemischer, Mainstream-Einheitsbrei.

Gemäß den Programmgrundsätzen der ARD besteht

4) die Pflicht, das gesellschaftliche Meinungsspektrum möglichst umfassend und fair widerzuspiegeln,
5) die Verpflichtung zu wahrheitsgetreuer und sachlicher Berichterstattung

Man vergleiche die Inhalte der neun ½-Sendung mit den Inhalten der verlinkten Artikel (welche, wenn gewollt, auch kindergerecht hätten dargestellt werden können). Kann der neun ½-Beitrag danach wirklich als »umfassend und fair« sowie »wahrheitsgetreu und sachlich« bewertet werden?

Die Ausmaße dessen, was uns bevorsteht, scheinen viele gar nicht zu begreifen. Offensichtlich soll dies auch so bleiben. Und wo könnte man dazu propagandistisch besser ansetzen, als bei unseren Kindern. 

Propagandistisches Inhaltsbeispiel

U. a. folgender Dialog findet in der neun ½ Sendung statt:

Moderatorin:
… Man hört ja bei den Demonstrationen usw., das Internet ist Tod, YouTube wird es nicht mehr geben …
Antwort „Betroffener“ RobBubble (zu ihm weiter unten mehr):
… Aber es ist jetzt nicht so, als würde es das Internet deswegen nicht mehr geben! …

Thema verfehlt! Setzen! Sechs!
Stilmittel von Propaganda (unabhängig ob Kinder oder Erwachsene) sind u. a. das bewusste Übertreiben sowie das Weglassen von (bekannten) Informationen.

Übertreiben: »das Internet ist Tod«
Weglassen von (bekannten) Informationen: bspw. mögliche Konsequenzen der Upload-Filter

Um das m. M. m. bereits im Vorfeld feststehende Ergebnis der Sendung („alles halb so schlimm“) plausibel zu machen, wird die Grundthese bewusst übertrieben dargestellt („Tod des Internets“) um dann anschließend den verschreckten Zuschauer direkt wieder beruhigen zu können („das Internet wird weiter bestehen“). Dass es darum im Kern der Sache überhaupt nicht geht, spielt dann keine Rolle mehr (besonders nicht bei Kindern!).

Einer der zentralen Punkte – der Kern der Sache: Upload-Filter – wird zwar angesprochen, die resultierenden, wahrscheinlich verheerenden Konsequenzen jedoch nicht weitergehend betrachtet (Weglassen von (bekannten) Informationen). Angesichts der beruhigenden Beseitigung des drohenden Damoklesschwerts „Tod des Internets“ wird dies dann zu einer Nebensächlichkeit, welche nicht weiter beachtet und hinterfragt werden muss.

»Thema verfehlt! Setzen! Sechs!« ist somit nur unter objektiven Gesichtspunkten einer »umfassenden und fairen« sowie »wahrheitsgetreuen und sachlichen Berichterstattung« haltbar. Im Sinne der Zielerreichung des Beitrags muss es »Thema getroffen! Setzen! Eins!« heißen.

Herr Robin Blase alias „RobBubble“

Der Hauptprotagonist, der von der ARD bzw. von neun ½ zur „objektiven“ thematischen Aufarbeitung herangezogen wurde, ist ein gewisser Robin Blase, »besser bekannt als YouTuber RobBubble«.

  • Bereits im Alter von 15 Jahren produzierte Herr Blase Radiobeiträge für den Deutschlandfunk (>). Der Deutschlandfunk ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Träger der Körperschaft sind ARD, ZDF und alle 16 Bundesländer (>). Nebenbei: Der Gründungsintendant Dieter Stolte gehörte noch während seiner Amtszeit als Intendant dem Kuratorium der Bertelsmann Stiftung an (Bertelsmann organisiert die erwünschte PR für die GroKo + siehe auch Link unten). 
  • Herr Blase war für Mediakraft Networks tätig (>). An Mediakraft Networks ist mit DuMont Schauberg einer der etablierten „Platzhirsche“ der deutschen Medienlandschaft beteiligt (>).
  • Er ist für das Studio 71 tätig (>). Das Studio 71 ist ein internationales Multi-Channel-Netzwerk der ProSiebenSat.1 Media SE (>), dem führenden deutschen Entertainment-Unternehmen (>) bzw. einem der führenden europäischen Medienkonzerne (>).
  • Er ist als Chefredakteur der EinsPlus-Sendung1080NerdScope tätig, einem Pilotprojekt für funk – dem Contentnetzwerk von ARD & ZDF (>).
  • Robin Blase ist einer der gefragtesten YouTube-, Social-Media- & Influencer-Marketing-Experten und Speaker in Deutschland. Kunden: Kika, Phoenix, N24, WDR (Radio), die Landesmedienanstalten – um nur einige Beispiele zu nennen (>).
  • Er ist Geschäftsführer der Richtig Cool GmbH (>), welche z. B. Influencer-Kampagnen für AXA, radio bremen sowie der Bertelsmann Stiftung (!!) umsetzt. Weitere Kunden für diverse Projekte sind / waren Samsung, der RBB, SuperRTL, Kika. Unter der unverfänglichen Überschrift »Unsere Abendroutine mit zwei Kindern | Eure Fragen zur Entspannung bei Babys« wurde durch die Richtig Cool GmbH nichts anderes als profane Werbung für WICK BabyBalsam bei YouTube platziert (>).

Ich persönlich würde mich niemals dazu herablassen, einen Menschen mit diesem Auftraggeber- und Tätigkeitshintergrund als „Systemling“ sondergleichen zu bezeichnen. Böswillige Individuen könnten diesem Attribut jedoch zugeneigt sein.

Resultierende, allgemeine Fragen

Was bringen vorstehende Informationen? Zur Verdeutlichung wird es jetzt bewusst tlw. etwas plakativ:

Bertelsmann, der Mutterkonzern der Bertelsmann Stiftung – die wiederum, wie vorstehend gezeigt, partieller Auftraggeber / „Brötchengeber“ von Herrn Blase ist -, lehnte die Urheberrechtsreform ab. Jedoch nicht aus Gründen von Zensurbefürchtungen, sondern weil sie angeblich noch Schlupflöcher für die Plattformbetreiber enthält (>). Anders ausgedrückt: Bertelsmann – und somit sicherlich nicht ungerechtfertigt unterstellt auch der Bertelsmann Stiftung – ist das ganze noch viel zu lasch.

(1) Nun drängt sich die allgemeine Frage auf, ob jemand im Rahmen eines gewiss nicht unbeachteten Fernsehbeitrags öffentlich gegen die Meinung seines Auftraggebers aussagt bzw. aussagen kann oder darf?

(2) Des Weiteren kann hinterfragt werden, ob eine Person, mit vorstehend aufgezeigten Hintergrund, für die gegenständlichen Fragestellungen des Urheberrechts als objektiv und vor allem als unabhängig betrachtet werden kann?

(3) Oder ist es generell nicht wesentlich wahrscheinlicher, dass erst vorgenannte Auftraggeber und Tätigkeiten – bzw. vergleichbares für andere Themen – die Voraussetzung bzw. der ausschlaggebende Grund für die Auswahl der Protagonisten in solchen Sendungen ist?

(4) Kann sich tatsächlich jemand vorstellen, dass bspw. Frau Elisabeth Bauer, die Verfasserin des oben verlinkten Artikels »Kommentar: Urheberrechtsreform – Angriff auf den gesunden Programmiererverstand« von der ARD in die Sendung eingeladen worden wäre und – kindgerecht serviert – entsprechend kritische Aussagen hätte treffen dürfen?

Persönliche Schlussfolgerungen

Ich persönlich beantworte vorstehende Fragen wie folgt:

zu (1): Nein
zu (2): Nein
zu (3): Ja
zu (4): Nein

Der neun ½-Beitrag ist für mich daher nichts anderes als das Problem abmildernde Propaganda. Die etablierten Systemmedien („das SYSTEM“) werden die Profiteure des neuen Urheberrechts – und weiterer Einschränkungen – sein. Sie werden zukünftig noch mehr, als derzeit ohnehin schon gegeben, die Deutungshoheit über die Geschehnisse der Welt innehaben. Alternativen werden sich zwangsläufig zurückziehen müssen, andernfalls droht mächtiger Ärger mit der „staatlichen Fürsorge“. Dementsprechend werden wir bereits jetzt von dieser Seite aus informationstechnisch „geimpft“.

Unsere Kinder werden in einer Blase der Desinformation aufwachsen. Irgendwann wird es nicht mal mehr jemanden geben können, der fragen könnte „Wie konnte das passieren? Warum hat das niemand verhindert?“. Um diese Fragen überhaupt stellen zu können, müssen zum Vergleich nämlich alternative Sichtweisen zugänglich sein. Diese werden jedoch zunehmend verschwinden.

„Guten Abend, zu Wasser und zu Luft sind heute Nacht amerikanische, deutsche und andere europäische Verbündete unterwegs nach Estland, um die russischen Verbände zurückzuschlagen, die sich dort wie vor einigen Jahren auf der Krim festgesetzt haben.“ (>) (>)

 

Der schlaueste Weg, Menschen passiv und gehorsam zu halten, ist, das Spektrum an akzeptabler Meinung streng zu beschränken, aber eine sehr lebhafte Debatte innerhalb dieses Spektrums zu ermöglichen – sogar die kritischeren und die Ansichten der Dissidenten zu fördern. Das gibt den Menschen ein Gefühl, dass es ein freies Denken gibt, während die Voraussetzungen des Systems durch die Grenzen der Diskussion gestärkt werden.
(Noam Chomsky)

Schwere körperliche Arbeit, die Sorge um Heim und Kinder, kleinliche Streitigkeiten mit Nachbarn, Kino, Fußball, Bier und vor allem Glücksspiele füllten den Rahmen ihres Denkens aus. Es war nicht schwer, sie unter Kontrolle zu halten.
(George Orwell, „1984“)