4.000 Jahre Debitismus

- Nicht bei Frau Merkel! Angela Merkel stellt sich Kinderfragen: »Wie ist Geld entstanden?« -

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4.000 Jahre Debitismus
Hammurapi I. (Babylon, Mesopotamien)

Hammurapi (auch Hammurabi geschrieben) war von 1792 v. Chr. bis zu seinem Tode 1750 v. Chr. der 6. König der ersten Dynastie von Babylonien und trug den Titel König von Sumer und Akkad. (>>)

Berühmt wurde Hammurapi durch die älteste vollständig erhaltene Rechtssammlung, den Codex Hammurapi. Folgende Seiten zeigen Übersetzungen des Codex: deutsch | englisch

Ergänzend ist nebenstehend eine kleine Auswahl von Artikeln zur historischen Einordnung sowie Beschreibungen der damaligen Verhältnisse verlinkt.

Für den vorliegenden Beitrag sind folgende Punkte von Relevanz:

  • Es gab bereits eine voll ausgeprägte, machthabende Zentralinstanz: eine „Staatsmacht“.
  • Entsprechend waren bereits Militär / „Polizei“, Statthalter / Landeshauptmänner etc., Steuereintreiber, ein Gerichtswesen usw. etabliert.
  • Durch die Untertanen waren daher Steuern und Abgaben zu entrichten.
  • Es gab ein Kreditwesen, einschließlich Zinsen usw.
  • Es gab ein geregeltes Schuldrecht; Verschuldung war an der Tagesordnung.
  • Es gab hoheitlich definiertes „Geld“.

Kurz: Bereits vor knapp 4.000 Jahren lebte die „Wiege der modernen Zivilisation“ (>>) „debitistisch“.

 

Debitismus!
Nicht bei Frau Merkel! Angela Merkel stellt sich Kinderfragen:
»Wie ist Geld entstanden?«

Vorab zur Erinnerung!!

DER MYTHOS DER TAUSCHWIRTSCHAFT – Geld ist und wird kein Tauschmittel und ist es auch nie gewesen –

[…] Tauschwirtschaft ist ein Fundament, welches völlig in die Irre führt, und hat sich seit den Forschungen des Anthropologen David Graeber (vgl. auch „5000 years debt“) als Märchen herausgestellt. Es gibt keinen einzigen historischen Beleg, wie D. Graeber nachweist, dass es jemals eine Tauschwirtschaft gegeben hätte. Erst recht nicht eine Tauschwirtschaft, die dann irgendwann Geld als Tauschmittel entstehen ließ zur Vereinfachung komplexer Tauschvorgänge. Das ist eine frei erfundene Geschichte, die irgendwo auf Adam Smith zurückgeht. Schlimm ist es ja, wenn immer wieder derselbe Blödsinn wiederholt wird, für den es historisch und anthropologisch KEINEN Hinweis gibt. […]
‎‎

„Der Kapitalismus-Ein System, das funktioniert“

[…] Das Tausch-Paradigma, auf dem die Nationalökonomie bis heute basiert und das bis in die neuesten Lehrbücher hinein behauptet, »produzierte Waren« würden gegen »produziertes Geld« getauscht bzw. »gewechselt«, dieses Tausch-Paradigma ist absolut und vollständig falsch Die »Wirtschaft« beginnt nicht mit dem Tausch, sondern mit der Schuld. […]

Angela Merkel stellt sich Kinderfragen (17.09.2017)

»Wie ist Geld entstanden?«, „O-Ton“ Frau Merkel (ab Minute 10:40):

‎»Früher, ganz früher haben die Menschen Sachen getauscht. Ich geb dir ‚en Stück Fleisch, und du gibst mir ‚en Stück Brot. Dann hamm wir überlegt: Ist das nun gleich´viel Wert oder nicht; dann hab ich gesagt, zu dem Brot musst du noch ‚en Apfel legen, dann ist es so viel Wert wie das Fleisch. Dann haben die Menschen gesagt, dass ist doch ’ne dumme Idee, ich führe Geld ein. Eigentlich beruht Geld darauf, dass immer auch für jedes Geld auch ein Wert da ist, etwas, was man verkaufen kann, also eben Gold, oder ein Brot oder Fleisch oder ein Auto…
…und als dann das Geld da war haben die Staaten plötzlich angefangen, das sie Geld gedruckt haben, obwohl sie gar keine Gegenwerte mehr dafür hatten, keine Sachen die dafür eingetauscht werden konnten.
Und das ist natürlich extrem gefährlich.
Und deshalb haben so viele Staaten, wir auch, Schulden.
Und jetzt müssen wir aufpassen, dass wir nicht viel zu viel Geld haben, aber dafür gar keine Werte da sind.
Dann kommt es regelmäßig zu Krisen.
Deshalb ist die Gefahr gar nicht so groß. dass es kein Geld gibt, sondern die Gefahr ist eigentlich viel größer, dass es zu viel Geld gibt, mit dem die Menschen einfach irgendwas machen und dann eines Tages eine Generation später wenn ihr groß seid, dann ist der Gegenwert nicht da und deshalb achten wir immer so drauf, dass unsere Schuldenberge nicht weiter steigen.
Und dann gibt es noch Ideen, ich weiß nicht ob du das im Kopf hattest, dass man vielleicht nur noch Computerwährung hat und gar kein richtiges Geld mehr.
Also dass man gar nicht mehr…aber man muss immer…, mit Gold wurde hier gerade gesagt,… man muss immer einen Gegenwert haben sonst ist die Gefahr sehr groß, dass man einfach zu viel ausgibt.«

Verständlicherweise sollte die Beantwortung von Kinderfragen nicht in ein akademisches Kolloquium ausarten. Was ohne Schwierigkeiten möglich gewesen wäre; auch Kindern kann man relativ komplizierte Sachverhalte einfach und anschaulich näher bringen – wenn man selbst darüber bescheid weiß! Das tut Frau Merkel m. E. nicht. Sie ist von dem überzeugt, was sie da erzählt: sie weiß es m. M. n. einfach nicht besser!

Betrachten wir die Aussagen unseres Spitzen-Staatsoberhauptes kurz näher.

Frau Merkels Aussagen auf dem debitistischen Prüfstand

Frau MerkelKommentar
Früher, ganz früher haben die Menschen Sachen getauscht.So weit, so gut. Wir befinden uns quasi am Beginn der Menschheit: Jäger und Sammler, die ersten sesshaften „Bauern“ etc.; Eigen-, Familien- oder Stammeswirtschaft.
Ich geb dir ‚en Stück Fleisch, und du gibst mir ‚en Stück Brot. Dann hamm wir überlegt: Ist das nun gleich´viel Wert oder nicht; dann hab ich gesagt, zu dem Brot musst du noch ‚en Apfel legen, dann ist es so viel Wert wie das Fleisch. Dann haben die Menschen gesagt, dass ist doch ’ne dumme Idee, ich führe Geld ein.Welch romantische Vorstellung: Bauer X sagt zu Bauer Y »Lass uns Geld einführen!«.
Und dann? Wo und wen damit bezahlen? X und Y untereinander? Unsinn! Bauer Z? Warum zum Teufel sollte Bauer Z dieses XY-Geld annehmen?
Geld: in gotisch gild »Steuer«; altnordisch gjald »Bezahlung, Gabe, Tribut«
»“Geld-Erklärungen“ ohne Kontext zur „Staatsmacht“ sind Chimären!«
(>>) Geld ist das von der Macht dekretierte Abgabengut an die Macht!
»Ohne Steuern entfällt Geld als „Zahlungsmittel“. Geld ist demnach Macht-Derivat und hat mit privaten Interaktionen nichts zu tun!« (Was ist Geld?)
Eigentlich beruht Geld darauf, dass immer auch für jedes Geld auch ein Wert da ist, etwas, was man verkaufen kann, also eben Gold, oder ein Brot oder Fleisch oder ein Auto…Faszinierend wie konsequent die zentrale Rolle „der Staatsmacht“ ignoriert wird. Bsp.:

»Wie alles in der Wirtschaft läuft auch die Inflation nach den strengen Regeln des Debitismus ab. Da gibt es kein Entrinnen, kein Vertun. Wir repetieren:
‎a) Inflation ist nur möglich, wenn Schulden nicht durch Leistung zum Erlöschen gebracht werden.
b) Diesen Prozeß kann über längere Zeit nur ein »infallibler Schuldner«, der »Staat« also, bewerkstelligen.
c) Der Staat leistet nicht, zwingt aber auch seine Bürger nicht zur (stellvertretenden) Leistung, etwa durch Abforderung höherer Steuern. (>>
…und als dann das Geld da war haben die Staaten plötzlich angefangen, das sie Geld gedruckt haben, obwohl sie gar keine Gegenwerte mehr dafür hatten, keine Sachen die dafür eingetauscht werden konnten. Und das ist natürlich extrem gefährlich.1.) Hokuspokus Fidibus war einfach so das Geld da. Eine gesellschaftsdurchdrungene, jedoch fatal falsche „Ansicht“.
2.) Der Staat hat grundsätzlich keine Gegenwerte. Außer zukünftige Steuereinnahmen der PRIVATEN Wirtschaftsteilnehmer; generiert aus zusätzlicher Neuverschuldung ebendieser. Fällt der private Teil weg oder schnurrt signifikant zusammen, bliebt nur noch der staatliche (Neuverschuldungs)Teil: stark erhöhte Inflation. Insofern hat Frau Merkel in diesem Punkt nicht ganz unrecht; gutwillig bewertet.
3.) Plötzlich geschieht beim Staat überhaupt nichts .
4.) Wofür haben die Staaten angefangen Geld zu drucken? Hauptursache Krieg? Der allseits so beliebte Staat ist historisch gesehen eine Kriegsmaschine und sollte verstandsmäßig auch entsprechend eingeordnet werden.
4.) Auf dieses unsägliche »Sachen die dafür eingetauscht werden« wird an dieser Stelle nicht mehr näher eingegangen (s. dazu oben „Erinnerung“).
Und deshalb haben so viele Staaten, wir auch, Schulden.Deshalb? Hä?
Frau Merkel begründet „unsere“ Verschuldung mit Ihrer vorstehenden Aussage: „Wir“ haben DESHALB so viele Schulden, weil „die Staaten“ plötzlich angefangen haben Geld zu drucken, obwohl sie keinen Gegenwert mehr dafür haben!
Welch stringente Beweisführung.
Staatsverschuldung ist SYSTEMIMMANENT:
»Der “Staat ohne Schulden” ist eine Chimäre und in der Geschichte sub summa aller Staaten niemals beobachtet worden.«1) DESHALB haben auch „wir“ Schulden!
Und jetzt müssen wir aufpassen, dass wir nicht viel zu viel Geld haben, aber dafür gar keine Werte da sind. Dann kommt es regelmäßig zu Krisen.
Deshalb ist die Gefahr gar nicht so groß. dass es kein Geld gibt, sondern die Gefahr ist eigentlich viel größer, dass es zu viel Geld gibt, mit dem die Menschen einfach irgendwas machen und dann eines Tages eine Generation später wenn ihr groß seid, dann ist der Gegenwert nicht da und deshalb achten wir immer so drauf, dass unsere Schuldenberge nicht weiter steigen.
1.) Als wenn es nur eine einzige Richtung gäbe: Inflation. „Deflation / Depression“ existiert im Gedankengut unserer obersten Befehlshaberin anscheinend nicht. Das kann nur böse enden. »Deflation? Selbstverständlich – nur ‚Geld‘ durch ‚Kredit‘ ersetzen«
‎2.) Frau Merkel beliebt zu Scherzen. Anders kann die Aussage des »immer darauf achten, dass unsere Schuldenberge nicht weiter steigen« angesichts der Gesamtentwicklung nicht verstanden werden.

P.S.: Der für Ende 2017 ausgewiesene Wert von 1.967,385 Mrd. Euro betrifft lediglich den zur Veröffentlichung vorgesehenen „Öffentlichen Gesamthaushalt“. Die tatsächliche Gesamtverschuldung beträgt allerdings 2.574,315 Mrd. Euro. Wer will, kann sich das hier anschauen.
Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast„.

Der Rest ist geschenkt!

 

1) »Der Staat als “Umverteilungsmoloch” kann ohne Schulden nicht existieren. Da der Staat immer früher Auszahlungen (z.B. Sozialleistungen) erbringt als dass er Einnahmen erhält, muss er sich zwangsweise vorfinanzieren und somit verschulden. Wichtig ist dabei, dass die Einnahmen des Staates umsatz- und ertragsabhängig sind, was wiederum heißt, dass Umsätze und Erträge zuerst einmal vorhanden sein müssen, bevor darauf Steuern entrichtet werden können und der Staat darauf zugreifen kann. Dieses Staatproblem der früheren Auszahlung und der späteren Einnahme ist rein finanzmathematisch niemals zu lösen und somit führt es zwangsweise zu einem Staatsbankrott. Zusätzlich – was den wenigsten bekannt sein dürfte – bezahlt der Staat seine Herrscharen an Beamten und Renter vorschüssig.«

 

Resümee

Beruhigend, mit welch fundiertem Wissen wir „regiert“ werden?

Frau Merkel reiht sich nahtlos an Herr Linnemann (CDU) an, dem »jedenfalls kein Beispiel auf diesem Globus bekannt ist, wo Verschuldung zu Wachstum und Beschäftigung geführt hat. Das Gegenteil ist richtig.«

„Debitistisch“ polarisierend: Politik hat die Basis dafür zu legen, dass sich zukünftige Generationen privat und insbesondere unternehmerisch verschulden wollen und können. Wie soll das mit solchen Politikern funktionieren?

Andererseits würde es ohnehin keiner verstehen und vor allem nicht verstehen wollen (Weil nicht sein kann, was nicht sein darf | Kognitive Dissonanz). Wenn sich überhaupt jemand mit der „Teufelsfratze Geld“ beschäftigt, ist das Tauschparadigma und alles was an Erklärungen anhängig ist, offensichtlich unauslöschlich in die Hirne eingebrannt.
Na ja, wer weiß wofür es gut ist.