Solar- und Windenergie führende Stromquellen im ersten Halbjahr 2018

- nur leider regelmäßig NICHT von 20:00 Uhr bis 6:00 Uhr -

Vorbemerkungen

Es tut mir leid, dass ich schon wieder auf dem Thema „Solar- und Windenergie“ herumreiten muss! ; und das der Beitrag wieder mal umfangreicher wurde, als geplant .
Suggestionsmeldungen wie diese vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE „Solar- und Windenergie führende Stromquellen im ersten Halbjahr 2018“ provozieren dies jedoch geradezu.

Dem unbedarften Leser wird mit solchen „Nachrichten“ – ein weiteres Exemplar findet ihr unten unter „Nachrichtenlage“ – das goldene erneuerbare Energien Zeitalter vorgegaukelt. Und dies meiner bescheidenen Meinung nach mit vollem Vorsatz! Was diese Meldung mit „jemandem etwas durch Täuschung suggerieren, glauben machen“ (>>) zu tun hat, will ich nachstehend nochmals deutlich machen!

Zur Verständniserleichterung muss ich dafür allerdings leider etwas ausholen:

Das graue halbe Jahr

Gemeinsam produzierten Solar- und Windenergieanlagen im ersten Halbjahr 2018 ca. 77,5 TWh gegenüber 67,8 TWh im ersten Halbjahr 2017. Sie liegen damit auf dem ersten Platz der Stromquellen und konnten mehr Strom als die Braunkohle (66,7 TWh) erzeugen.

Isoliert betrachtet wird diese Aussage vollkommen korrekt sein. Im für die Stromerzeugung aus „Solar- und Windenergie“ zwingend zu betrachtenden größeren Kontext jedoch, gleicht sie einer Nichtaussage. Genauso gut könnte ich vermelden …

Gemeinsam produzierten Tag (hell / weiß) und Nacht (dunkel / schwarz) im ersten Halbjahr 2018 ein insgesamt graues halbes Jahr.

… und jeder würde sich, ob der Unsinnigkeit dieser Aussage, an den Kopf greifen und mich zur Recht für „Reif für die Klapse“ halten. Die nicht berücksichtigte zeitliche Verteilung ist das Entscheidende! Hierdurch ergeben sich zwei „Extremwertzustände„: eben Tag = hell und Nacht = dunkel. Banal, aber elementar! Denn obwohl es die Hälfte der Zeit hell ist, müssen wir bspw. die Beleuchtung für den „Extremzustand“ Nacht planen und vorhaltenauch wenn sie die Hälfte der Zeit gar nicht benötigt wird.

Was hat diese stupide Analogie mit der Stromerzeugung aus „Solar- und Windenergie“ zu tun? Sehr, sehr viel! Alles!!

Extremwertzustände bei der
Stromerzeugung aus „Solar- und Windenergie“

Die gemeldete, gemeinsam produzierte „Strommenge“ von ca. 77,5 TWh und die Steigerung derselben um 12,2 % im Vergleich zum Vorjahr sind zweifelsohne erwähnenswerte Aspekte. Exakt wie bei meinem dümmlichen Tag / Nacht Beispiel oben, ist jedoch auch hier die zeitliche Verteilung das eigentlich Entscheidende, nicht die Gesamtmenge (grau).
„Extremwertzustände“ sind die systembestimmenden Zwangspunkte!

Stromerzeugung Wind- und Solarenergie Juli 2018Zeiträume mit weniger als 5 Gigawatt Dauerleistung – also noch nicht mal 1/10 der benötigten Leistung – aus „Solar- und Windenergie“ (jeweils ungefähr von 20:00 Uhr abends bis 6:00 Uhr morgens; 10 Std. lang!!):
03./04.07.18, 04./05.07.18, 10./11.07.18, 11./12.07.18, 14./15.07.18, 15./16.07.18, 16./17.07.18

Wie nebenstehende Graphik zeigt (Quelle: „Agorameter“), gab es allein vom 01.07.2018 bis 19.07.2018 sieben solcher „Extremwertzustände“. In diesen Zeiträumen, von jeweils ca. 20:00 Uhr abends bis 6:00 Uhr morgens – 10 Stunden lang! -, wurden weniger als 5 Gigawatt Dauerleistung generiert; dies entspricht noch nicht mal 1/10 der benötigten Leistung. Bei einigen (kurzzeitigen) extremen „Extremwertzuständen“  lag der Leistungswert sogar nahe Null.

Für dergleichen „Extremwertezustände“ – die regelmäßig auftreten und auch in Zukunft weiterhin auftreten werden! – ist das System zu planen bzw. auszulegen; entsprechend dimensionierte Stromerzeugungsanlagen MÜSSEN zum Ausgleich vorgehalten werden. Diese vorgehaltenen Stromerzeugungsanlagen müssen in der Lage sein, die insgesamt benötigte Leistung von MINDESTENS 50 Gigawatt (eher 60 – 70 GW) zur Verfügung zu stellen! Und dies, um sicher zu gehen und für unvorhergesehenes auch noch Reserven zu haben, über einen längeren Zeitraum von mehreren Tagen, zu jeder Tages- und Nachtzeit!

Wenn in X Jahren eine Meldung wie „95 % der Stromerzeugung stammen aus „Solar- und Windenergie“ durch den Äther gejagt wird (rein hypothetisch!), müssen „Extremwertzustände“ ausgleichende Stromerzeugungsanlagen trotzdem noch vorgehalten werden! Im Resultat müssen zwingend permanent zwei Stromerzeugungssysteme parallel betrieben werden – einschließlich entsprechender immenser Zusatzkosten und signifikanter technischer Probleme bei der Verknüpfung beider Systeme:

  1. Das System Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, insbesondere natürllich „Solar- und Windenergie“
  2. Das System „Notstromaggregat“

An dieser Stelle: CUT!
Ich will nicht erneut alles von vorne aufrollen. Wie ich die Thematik grundsätzlich beurteile und welche „Notstromaggregate“ m. E. zukünftig möglich sein werden, ist in meiner Blog-Kategorie „erneuerbare Energien“ dokumentiert.
Nur so viel: Meiner Ansicht nach wäre es ungleich „sinnvoller in Forschung und / oder neue Technologien bspw. hinsichtlich Abgasfilterung bei Kohlekraftwerken usw. zu investieren“ (aus „Ist Erdöl wirklich ersetzbar?“), als die Ideologie getriebene Verteufelung derselben voranzutreiben!

Für den vorliegenden Beitrag war es mir wichtig, den elementaren Fakt des Vorhandenseins solcher „Extremwertzustände“ und die daraus entstehenden Konsequenzen nochmals grundsätzlich deutlich zu machen!
Denn …

Nachrichtenlage
(beinahe schon Fake-News)

… dies ist die Voraussetzung um zu verstehen, dass die Nachrichtenlage zu einem nicht unwesentlichen Teil der Verbreitung von Fake News gleicht. Und DAS ist es, was mich – salopp ausgedrückt – aber auch so was von annervt, und ich es deshalb abermals deutlich machen wollte!
Vier Beispiele, wie manipuliert wird:

1.) Der vorliegende Beitrag

2.) Siehe „Verschleierungstaktik“ unten; aus meinem Beitrag „100 Prozent Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2050: Realismus tut not!“

3.) Bericht „Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland – Auswertung für das Jahr 2017“ von der Seite „Daten zu erneuerbaren Energien“ des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE:

a) Auf den Seiten 17 und 18 des Berichts werden die Höchsten Stromerzeugungen aus Solar- bzw. Windenergie“ graphisch dargestellt. Graphiken der Niedrigsten Stromerzeugungen aus Solar- bzw. Windenergie“ oder Zeiträume mit nur minimaler Stromerzeugung o. ä. sucht man dagegen vergeblich! Warum? Das soll Zufall sein?

b) In o. g. Graphiken sind ALLE Stromerzeugungskategorien aufgeführt; in gestapelter (kumulierter) Darstellungsform mit Solar- und Windenergie ON TOP!! Hat man sich mit der Thematik eingehender beschäftigt, und weiß daher, worauf zu achten ist, erkennt man auch bei dieser Darstellungsart die Schwachstellen „Extremwertzustände“. Hat man dies NICHT – was beim Adressaten der alles-ist-gut-Botschaft, dem Ottonormalverbraucher, überwiegend Sachstand sein wird -, hat man praktisch keine Chance! Dies ist um so „hinterhältiger“, als dass in einem der gezeigten Zeiträume – vom 22.05.2017 bis 28.07.2017, mit dem „höchsten Solarenergie-Peak“ am 27.05.2017 – gleich sechs „Extremwertzustände“ mit äußerst geringer Stromerzeugung aus Solar- und Windanlagen erkennbar sind.
Warum wird nicht eine eindeutige Darstellungsart, wie in „meiner“ obigen Graphik, verwendet? Das Frauenhofer Institut selbst bietet dafür hervorragende „energy-charts“ an (von denen auch die Graphiken im Bericht stammen); mit EINEM KLICK ist auf Solar / Wind umgestellt!
Das soll Zufall sein?

c) Im „Anlass“ dieses Beitrags, dem eingangs verlinkten Artikel „Solar- und Windenergie führende Stromquellen im ersten Halbjahr 2018“, sind entsprechend vorstehender Ausführungen nur echte „Vorzeigegraphiken“ eingebunden:
„Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromversorgung“ und
„Anteil erneuerbarer Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung“
Mit dieser Bildwahl zum Nachweis der Erfolgsgeschichte erneuerbare Energien werden in den Köpfen der Leserschaft von vornherein alle kritischen Aspekte unterbunden.
Meldungen wie diese, sind genau die Meldungen, die umfänglich verbreitet und konsumiert werden. Wer macht sich schon die Mühe und schaut dann noch hinter die Kulissen? So gut wie niemand! Um diesen Umstand wissen die Verantwortlichen.
Meinungsbildende Propaganda ohne zu Lügen, einfach durch Weglassungen und Hervorhebungen einzelner Teilaspekte: überaus effektiv!!

4.) Bericht / Rede des Deutschen Wetterdienstes (DWD): „Kombination von Windkraft und Photovoltaik zeigt eindrucksvolle Effekte“ einschließlich dem gesonderten Teilbericht „Europäischer Stromverbund minimiert Ertragsausfälle bei erneuerbaren Energien“:

a) Aus der Original-Überschrift „Europäischer Stromverbund… usw.“ wird bei reuters pauschal „Wind- und Solarenergie stabilisieren Stromerzeugung“, was dann auch noch, bspw. von der Wirtschaftswoche, einfach eins zu eins von reuters übernommen wird.
Überschriften sind wichtig! Überschriften setzen sich in den Köpfen fest („BILD-Prinzip“)! Die Wahl der Überschriften ist richtungsgebend! Und m. E. daher KEIN Zufall, sondern zielgerichtet mit Bedacht gewählt!

b) Nachstehend ein Zitat aus dem Original DWD-Bericht aus der Rede von Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes:

Grundsätzlich führt der kombinierte Einsatz von Windenergie und Photovoltaik zu einer deutlich geringeren Anzahl von Fällen mit geringer Stromproduktion.

DIESES Wind- und Solarenergie eher positiv darstellende Zitat wurde im verbreiteten reuters-Artikel exakt übernommen! Was aus der selben Rede jedoch geflissentlich ignoriert wurde, sind weitere, nicht ganz so positive Aussagen des Dr. Becker (Hervorhebungen durch mich):

So sollen, wenn ich die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD richtig lese, die erneuerbaren Energien bis 2030 einen Anteil von 65 Prozent am Strom-Mix haben. Damit wächst die Abhängigkeit der Stromversorgung vom Wetter weiter. Aufgrund des fluktuierenden Charakters von Wind- und Sonnenenergie müssen wir uns fragen, wie eine zuverlässige Stromversorgung mit immer mehr Photovoltaik und Windkraft auf Dauer möglich ist. Die Produktion von Sonnen- und Windenergie variiert wetterbedingt in Raum und Zeit. Die Herausforderungen an Reservelösungen steigen daher mit dem weiteren Ausbau.

Aus meteorologischer Sicht spricht also nichts gegen einen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland und Europa. Da das Wetter aber macht was es will, können wir NIEMALS ausschließen, dass eine extreme Windflaute zusammen mit einer sonnenarmen Phase über Europa auftritt. Eine verantwortungsvolle Energiepolitik muss sich deshalb nicht nur um den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik kümmern, sondern zugleich für ausreichend Reservekapazitäten sorgen.

Objektiv ist offensichtlich schon zu negativ, um von reuters & Co. aufgegriffen zu werden! Das soll Zufall sein?
Und nochmal:
Meldungen wie diese (die von reuters), sind genau die Meldungen, die umfänglich verbreitet und konsumiert werden. Wer macht sich schon die Mühe und schaut dann noch hinter die Kulissen? So gut wie niemand! Um diesen Umstand wissen die Verantwortlichen.
Meinungsbildende Propaganda ohne zu Lügen, einfach durch Weglassungen und Hervorhebungen einzelner Teilaspekte: überaus effektiv!!

Apropos „hinter den Kulissen“: „Der DWD ist überzeugt: 10 % Strom über zwei Tage, dabei nicht zuverlässiger als Wettervor­hersagen, reicht“

Schlussbemerkungen

Ich neige prinzipiell zu der Meinung, dass der Ausbau der Stromerzeugung aus Solar- und Windenergie bis zum maximal Möglichen ausgereizt werden sollte (allerdings ist dieser Punkt m. E. auch nicht mehr allzu weit entfernt). Ich betone allerdings, und dies äußerst vehement, dass den Menschen reiner Wein eingeschenkt werden muss (just my two Pence):

  • 100 % Stromversorgung mit erneuerbaren Energien ist nicht möglich.
  • Ohne gigantische Reservekapazitäten, die wie ein „Notstromaggregat“ jeder Zeit und über längere Zeiträume zuschaltbar sein müssen, wird es nicht gehen.
  • Diese „Notstromaggregate“ können nur stark untergeordnet aus Stromspeichersystemen bestehen. Sie können vielleicht partiell unterstützend wirken, mehr aber auch nicht.
  • Die zwingend erforderliche „Reservelösung“ wird größtenteils durch den Erhalt bzw. die Vorhaltung funktionstüchtiger, konventioneller Kraftwerke erfolgen müssen. Insbesondere Gas und Kohle werden weiterhin die Hauptlast tragen müssen (Stichwort u.a. „steuerbares“ Stromnetz).
  • Der Parallelbetrieb der zwei Systeme „Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien“ und „Notstromaggregate“ wird bei weiterem Ausbau von Solar- und Windenergie zusätzlich ungeheuer viel Geld kosten. Ich persönlich wäre u. U. noch bereit dies aufzubringen (wenn nachstehender Punkt umgesetzt werden würde, was ich leider stark bezweifeln muss!). Ich kann allerdings nachvollziehen, wenn man das kritischer sieht und von vornherein ablehnt.
  • Der weitere Ausbau muss fachtechnisch minutiös geplant und umgesetzt werden. Dazu sind ideologische, idealistische, politische, lobbyistische… Scheuklappen abzulegen; andernfalls sehe ich schwarz.

Macht selbst den Test! Recherchiert selbst! Geht auf die Suche nach wirklich substanziellen Informationen, die bspw. die erforderlichen „Reservekapazitäten“ tiefergehend thematisieren.

Es gibt sie! Allerdings fast nur aus „subversiven“ Quellen . „Mainstreammedien“ bieten Entsprechendes in homoöpatische Dosen, von öffentlichen Organen kommt in dieser Hinsicht gar nichts. Dabei sind es genau diese Institutionen, die der Bevölkerung Objektivität bieten sollten, und nicht auf Linie gebürstete(n) Oberflächlichkeit / Einheitsbrei.

Ohne von sich aus proaktiv zu werden – was durchaus mit einigem Aufwand verbunden ist -, bekommt man nur marginal alternative Sichtweisen zu Gesicht. Objektive Grundlagen, um sich ein wirklich fundiertes Bild machen zu können, muss man sich hart erarbeiten. Genau umgekehrt sollte es eigentlich sein!!

 

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Kurzer, aber notwendiger Einschub:
Verschleierungstaktik (>>)

Windenergie BRD 1990 bis 2017Nebenstehende Graphik stammt vom „Informationsportal Erneuerbare Energien des Bundesministerium für Wirschaft und Energie“.

Gezeigt wird die Entwicklung der installierten Leistung von Windenergieanlagen sowie die daraus erzeugte Strommenge.

Schaut sie euch genau an!!

Im Ergebnis ist folgendes festzustellen:

  • Rein sachlich ist die Darstellung korrekt.
  • Dargestellt werden jedoch zwei unterschiedliche Sachverhalt:
    Primärachse: Stromerzeugung in Milliarden Kilowattstunden;
    Sekundärachse: installierte Leistung in Millionen Kilowatt
  • Durch die gewählte Darstellungsart wird – insbesondere dem technisch gemein hin nicht ausreichend versierten Bürger – suggeriert, dass die installierte Leistung und die entsprechende Stromerzeugung verlustfrei Hand in Hand gehen. Das dies nicht annähernd der Realität enspricht, habe ich hier aufgezeigt.
  • Im „Informationsportal Erneuerbare Energien“ habe ich KEINE einzige Graphik o. ä. gefunden, welche die installierte Leistung im Vergleich zur tatsächlich daraus „erzeugten“ Leistung darstellt – bspw. ähnliches wie meine dritte Graphik im Beitrag.
  • Für mich ist das politisch vorgabenbedingte, gewollt beschönigende Verschleierungstaktik.
  • Ein schönes Beispiel, wie man ohne zu Lügen die Wahrheit vernebeln kann.

Ende Einschub!